
Warum Freiheit, Reduktion und „Teilen statt Besitzen“ bei Saltwater mehr sind als ein Trend – und wie aus einem Lebensgefühl ein ganzheitliches Nachhaltigkeitskonzept wurde.
Vanlife, Surfen, Meer und der Wunsch nach Freiheit – was für viele ein Sehnsuchtsbild ist, bildet für Saltwater seit über einem Jahrzehnt die Grundlage einer konsequenten Markenhaltung. Entstanden aus der gemeinsamen Begeisterung für das Draußen-Sein, hat sich Saltwater von einer Idee unter Gleichgesinnten zu einer verantwortungsvollen Lifestyle-Marke entwickelt, die Nachhaltigkeit nicht als Marketingbegriff, sondern als Handlungsprinzip versteht.
Im Interview spricht Gründer Timo Perschke über die Entwicklung von Saltwater, über langlebige Produkte statt schnellen Konsum, über Community-Gedanken mit echtem Impact – und darüber, warum Reduktion, Teilen und soziale Verantwortung für ihn die Zukunft des modernen Küstenlebens sind.
INTERVIEW
GreenSYLT: Saltwater wurde 2013 von einer Gruppe Abenteurer gegründet – wie hat sich seitdem Ihre Vision entwickelt, insbesondere im Hinblick auf Nachhaltigkeit und das Vanlife-/Surfer-Lifestyle-Konzept?

Bild: Timo Perschke
TIMO PERSCHKE: Saltwater wurde nicht klassisch „2013 gegründet“. Wie bei vielen unserer Generation entstand die Marke aus einer gemeinsamen Leidenschaft: draußen sein, Wind und Meer spüren, surfen, im Van reisen und einfache Momente genießen. Anfangs ging es vor allem darum, dieses Lebensgefühl zu teilen. Mit der Zeit entwickelte sich daraus jedoch eine klare Haltung. Heute steht Saltwater für die Verbindung von Freiheit und Verantwortung. Die Marke setzt auf hochwertige, langlebige Produkte, zeitlose Designs und Entscheidungen, die sowohl ökologisch als auch sozial sinnvoll sind. Surfen und Vanlife bedeuten für Saltwater keinen zusätzlichen Konsum, sondern bewusste Reduktion: mit weniger auskommen, Ressourcen wertschätzen und nachhaltiger leben. Diese Haltung prägt inzwischen alle Bereiche – von Materialien über Lieferketten bis hin zu Partnerschaften.
Saltwater ist kein fertiges Konzept, sondern eine Reise: Vom Mitfahrer zum eigenen Fahrer, von den Bergen zum Meer, von reiner Begeisterung hin zu bewusster Verantwortung.

Welche Kriterien legen Sie bei der Auswahl der Marken und Produkte in Ihrem Sortiment an? Wie stellen Sie sicher, dass die Produkte sowohl stilvoll als auch wirklich nachhaltig sind?
Bei der Auswahl der Marken und Produkte setzt Saltwater auf klare Kriterien. Ins Sortiment kommen ausschließlich Marken, die Transparenz leben und Produkte anbieten, die langlebig, fair produziert und qualitativ hochwertig sind.
Die wichtigsten Kriterien:
- Materialien: recycelt, biologisch oder nachweislich langlebig
- Fertigung: faire Arbeitsbedingungen und nachvollziehbare Lieferketten
- Design: zeitlos, funktional, nordisch
- Relevanz: robuste Produkte für Alltag und Küstenabenteuer
Statt auf leere Green Claims setzt Saltwater auf sichtbare Verantwortung – auch wenn das bedeutet, bewusst weniger, aber bessere Produkte anzubieten.
Ihr VRP-Mitgliedschaftsprogramm verbindet Community mit Impact: Wie wichtig ist Ihnen dieser Aspekt, und wie hat sich das Programm im Laufe der Zeit entwickelt?
Das VRP-Mitgliedschaftsprogramm ist heute ein zentrales Element der Marke. Es verbindet Community, Mehrwerte und sozialen Impact in einem geschlossenen Kreislauf. Mit jedem Einkauf unterstützen VRP-Member unter anderem Organisationen wie Right to Play, lokale Meeresschutz-Aktionen, Umweltbildung in Schulen sowie die Saltwater Kids Academy.
Gleichzeitig profitieren Mitglieder von kostenlosen Rentals, Workshops oder Events – nicht als klassisches Rabattprogramm, sondern als Teil einer Bewegung. Die Grundidee dahinter: Wenn verkauft wird, soll automatisch etwas Gutes zurückfließen.
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Ihre Stores befinden sich an Standorten wie Sylt, Fehmarn oder Kiel. Welche Rolle spielen diese Läden für Ihre Marke – vor allem als Treffpunkte für die Saltwater-Community?
Die Saltwater-Stores an Orten wie Sylt, Fehmarn oder Kiel sind weit mehr als Verkaufsflächen. Sie dienen als Treffpunkte für die Community – für Gespräche bei Kaffee, Board-Talks, Workshops oder kleine Events. Gerade in einer zunehmend digitalen Welt ist das reale Erleben für Saltwater essenziell. Die Stores sind Orte zum Anfassen, Austauschen und Innehalten – bewusst auch als Gegenpol zum Bildschirm. Die Nähe zur Küste ist dabei kein Zufall: Wind, Wetter und Gezeiten prägen den Alltag und machen das Lebensgefühl, für das Saltwater steht, besonders greifbar.
Saltwater bietet nicht nur fremde Marken, sondern auch eigene Produkte an – von Hoodies über Kaffee bis zu Olivenöl. Welche Überlegungen stecken hinter der Entscheidung, eigene Produkte zu entwickeln?
Saltwater entwickelt eigene Produkte immer dann, wenn sie nachhaltiger, transparenter oder langlebiger umgesetzt werden können – sei es bei Textilien, Kaffee oder Olivenöl. Bei Textilien setzt die Marke unter anderem auf Deadstock-Materialien: hochwertige, ungenutzte Stoffe aus Überproduktionen, die andernfalls entsorgt würden. Produziert wird in kleinen, ehrlichen Stückzahlen mit Partnern, die man persönlich kennt.
Ein Beispiel ist die SALTY ROBE, entwickelt gemeinsam mit Sympatex und Mazine:
komplett aus Deadstock-Material, wasserdicht, winddicht, vollständig recycelbar und gemacht für viele Jahre am Meer. Ein Produkt, das zeigt, wie funktionale, kreislauffähige Coastwear aussehen kann.

Sie bieten an einigen Standorten einen Verleih von Boards, E-Bikes etc. an. Wie trägt dieses „Teilen statt Besitzen“-Modell zu Ihrer Nachhaltigkeitsstrategie bei?
Der Verleih von Surfboards, SUPs oder E-Bikes ist ein zentraler Bestandteil der Saltwater-Philosophie. Wenn sich viele Menschen Equipment teilen, sinkt der Ressourcenverbrauch deutlich. Gleichzeitig werden Einstiegshürden gesenkt – nicht jeder muss alles besitzen. Gerade in Küstenorten und auf Inseln ist dieses Modell ökologisch, sozial und praktisch sinnvoll. Für Saltwater ist „Teilen statt Besitzen“ ein zeitgemäßer Weg, nachhaltigen Lifestyle erlebbar zu machen.
Saltwater unterstützt mit dem VRP-Programm unter anderem die Organisation Right to Play und organisiert Schul-Workshops zu Meeresschutz. Wie wichtig ist Ihnen der soziale Aspekt Ihres Unternehmens und wie integrieren Sie ihn in Ihre Geschäftsstrategie?
Saltwater versteht soziale Verantwortung nicht als Zusatz, sondern als festen Bestandteil der Unternehmensstrategie. Das Meer ist Lebensgrundlage – und damit auch Verpflichtung. Neben der Unterstützung von Right to Play organisiert Saltwater Meeresschutz-Workshops in Schulen, um Kindern den Zusammenhang zwischen Konsum, Ozeanen und Zukunft zu vermitteln. Ziel ist es, Verantwortung weiterzugeben und nachhaltiges Denken früh zu verankern.
Nachdem Timo Perschke 2019 Pyua operativ verlassen hat, wie blickt er auf die nächste Phase – sowohl für Pyua als auch für seine weitere Rolle im Bereich nachhaltiger Mode/Lifestyle?
PYUA war für Timo Perschke ein prägendes Kapitel. Die Marke zeigte früh, dass konsequente Nachhaltigkeit in der Textilbranche möglich ist – lange bevor viele Themen gesellschaftlich etabliert waren. Nach dem operativen Ausstieg 2019 folgte bewusst Abstand. Die nächste Vision sollte keine Kopie sein, sondern eine eigene DNA haben: näher an den Menschen, praxisnah, regional verankert.
Neben Saltwater engagiert sich Perschke heute in Projekten rund um Circular Economy, berät Marken und setzt mit Saltwater Re:Use ein klares Zeichen gegen Wegwerfdenken. Rückläufer, Vorjahreskollektionen und Second-Choice-Teile erhalten eine zweite Chance – hochwertig, fair und zugänglich.
Fazit
Saltwater zeigt, dass nachhaltiger Lifestyle mehr sein kann als ein ästhetisches Versprechen. Die Marke verbindet Vanlife- und Surfkultur mit Verantwortung, Community und sozialem Impact – ohne erhobenen Zeigefinger, dafür mit konkretem Handeln. Für Gründer Timo Perschke ist Nachhaltigkeit kein Trend mehr, sondern Teil des Spiels. Oder anders gesagt: Freiheit und Haltung schließen sich nicht aus – sie gehören zusammen.
Auch interessant: Ein Interview mit Sylt Sotheby’s International Realty
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